St. Josef Stift GmbH Börger 

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Kapelle


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Gottesdienstzeiten in der Kapelle des St. Josef Stiftes werden im Pfarrbrief der Katholischen Kirchengemeinde Börger bekannt gegeben.

Besuchergruppen und Gäste, die selbst einen Gottesdienst gestalten möchten, sind herzlich eingeladen.

Das St. Josef Stift hat im Jahre 2000 im sogenannten Haus Schürmann eine neue Kapelle errichtet, nachdem der Platz der bisherigen  Kapelle dringend für die Versorgung von Schwerstpflegebedürftigen benötigt wurde. Kunsthandwerklich nimmt die neue Kapelle Teile aus den verschiedenen Strömungen des ausgehenden Jahrhunderts auf. Der Besucher wird auf einer Entdeckungsreise an das kirchliche und religiöse Leben vergangener Jahrzehnte erinnert. Gerade die ältere Generation wird dabei an manch persönliches Erlebnis zurückdenken. Thematisch wird der Blick immer wieder auf die Schöpfung, ihre Weiterentwicklung und Vollendung gelenkt. Dieses Leitmotiv wird dargestellt in einem großen Glasbild an der östlichen Stirnseite des Raumes. Unter dessen Motto „Bewahret die Schöpfung“ kann auch die Entstehungsgeschichte der Kapelle zusammengefasst werden.

Die Kapelle befindet sich im mittleren Teil eines ostfriesischen Gulfhauses, das im Jahre 1914 auf einem Nachbargrundstück errichtet und dort nach 80 Jahren Stein für Stein abgetragen und anschließend auf dem Gelände des St. Josef Stiftes in originalgetreuer Fassade wieder errichtet wurde. Dort, wo früher der Bauer seine Erntevorräte einlagerte, im Gulf, werden jetzt Brot und Wein zum Altar getragen. Ähren und Trauben in aufwendiger Schnitzerei rahmen entsprechend das Bildnis vom Opferlamm auf der Vorderseite des alten Altares aus dem ehemaligen Krankenhaus ein. Über dem Altar findet man auf einem schlichten Holzkreuz einen dunklen Christuskorpus. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass die Arme zerbrochen sind. Dieser „zerbrochene Heiland“ stammt von einem umgestürzten Kreuz auf unserem Friedhof und fand in der Kapelle einen neuen würdigen Platz. Der vollständige Leidensweg Christi findet sich an der gegenüberliegenden Wand in Form einer zeitgemäßen Bronzedarstellung  des Kreuzweges. Die Wand selbst ist in einem Stallgebäude nachempfunden. Steine, Ziegel und Fenster stammen aus verschiedenen Abbrüchen und nehmen somit den Gedanken der Wiederverwertung als Teilbereich der Bewahrung der Schöpfung auf.

Auf den Ursprung der Schöpfung weisen die drei großen Glasfenster vor den „Hillen“ hin, die in moderner Form die Themen „Am Anfang war alles wüst und wirr“, „Er schuf Sonne, Mond und Sterne“ sowie „den Menschen, Tiere und Pflanzen“ darstellen. Diese Fenster wurden beim Umbau des ehemaligen Krankenhauses zur Senioren-Einrichtung für die damalige Kapelle neu geschaffen und sind jetzt eingerahmt von Holzbrüstungen, Bögen und Türmchen aus der St. Jodokus Kirche in die neue Kapelle eingegliedert. Aus der Pfarrkirche stammt auch der Ausschnitt aus dem Chorgestühl mit dem darüber gespannten Teppich. Ein Stück der Säule des alten Predigtstuhles bildet den Tisch für Wein und Wasser. Die Fahnen neben dem Altar wurden früher an hohen Feiertagen an den Kirchenbänken aufgestellt. Die Darstellungen von Maria und Josef (Wachstechnik) bildeten dabei die Vorder- und Rückseite einer großen Fahne.

Eine besondere Prägung erhält die Kapelle durch die Zusammenstellung von Bleiverglasungen aus verschiedenen Abschnitten des ausgehenden Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um Bruchstücke früherer Verglasungen in der St. Jodokus Kirche, die erheblicher Zerstörung ausgesetzt waren. Das Material wurde 1999 zusammengesucht, sortiert und anschließend einer vorläufigen  Aufarbeitung unterzogen. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Teile aus der früheren Kirche der Nachbargemeinde Wahn stammten. Hiervon ausgehend konnten wertvolle Hinweise zur Rekonstruktion in der Schrift „Wahn, use olde Heimat“ gefunden werden. Diese Broschüre wurde 1941 von der dortigen Kirchengemeinde „den Wahner Familien zum Abschied“  verfasst. Zu den Fenstern schreibt Pfarrer Reckers in o.g. Broschüre: Die Verglasung der Kirche bildete gewöhnliches Fensterglas. Auch da fanden sich edle Stifter für bunte figürliche Fenster, die einen herrlichen Schmuck der Kirche bilden. Die in Barockkunst rühmlichst bekannte Glasmalerei Franz Mayer in München erhielt den Auftrag für die beiden Fenster rechts und links vom Hochaltar: das Opfer des Melchisedek und das letzte Abendmahl; weiter für zwei Medaillonbilder für die Seitenwand des Chores: Lamm Gottes und Pelikan. Es folgen im Kirchenschiff zwei Fenster, darstellend die neuesten Heili­gen: Theresia vom Kinde Jesu und der Kapuzinerbruder Konrad von Parzham. Dann kommen zwei große Fenster: Christi Himmelfahrt und Jesus, die Zuflucht aller Bedrängten... .Die noch fehlenden sechs Fenster waren auch gestiftet, sie kamen aber wegen der in Aussicht stehenden Umsiedlung nicht mehr zur Ausführung. Die fertigen Skizzen zeigten mit Rücksicht auf die hiesigen kirchlichen Vereine je einen entsprechenden Heiligen“.

     Nur wenige Jahre später, 1942, wurde die Kirche im Zuge der Schießplatzerweiterung abgebrochen. Etwa zur gleichen Zeit wurden die beiden Chorfenster neben dem Hochaltar der Börgeraner Kirche neu verglast. Hiervon ist der älteren Generation vor allem ein Motiv mit zahlreichen Fischen in deutlicher Erinnerung geblieben. Bei einem Bombenangriff am 12. April 1945 wurden diese neuen, aber auch die übrigen älteren Fenster der Börgeraner Kirche nahezu vollständig zerstört. In einer Tagebuchaufzeichnung dieses Jahres heißt es zur weiteren Entwicklung: „ Ein Tag im Frühherbst 45: ... Mit den Fenstern der alten Wahner Kirche werden zunächst die Fenster der Börger Kirche repariert. Da sie aber zu klein sind, nagelt man den Rest mit Brettern zu. Zwei Chorfenster werden zugemauert. Der Bischof Dr.Berning stellt die Fenster nur mit der Auflage zur Verfügung, dass Börger die Fenster für eine noch zu bauende Kirche in Neuwahn bezahlt (dies hat Börger auch erledigt). ...“

Als nach dem 2. Vatikanischen Konzil die Kirche in Börger umfassend erneuert wurde, wurden dem Zeitgeist  folgend die beschädigten Fenster nicht restauriert, sondern heraus gebrochen und durch eine gegenstandslose Verglasung ersetzt. Nachdem die Kirche in Börger nun in den letzten Jahren auch unter kunsthistorischen Gesichtspunkten erneut renoviert wurde, wurden auch diese Verglasungen wieder entfernt. Aufgrund der geschilderten Umstände spiegeln die verbliebenen Bruchstücke der früheren Bleiverglasungen beispielhaft die zeitgeschichtliche Entwicklung in dem zu Ende gehenden Jahrhundert wieder.

Richtet man den Blick von den Bleiverglasungen auf die gegenüberliegende Giebelwand, findet man hoch oben die Figur des Erzengels Michael, die früher oben auf dem Predigtstuhl der Pfarrkirche stand. Den Hintergrund bildet ein Wandgemälde des litauischen Künstlers Arvydas Zdanavicius , das seine Vorstellung vom Paradies zeigt, vor dessen Eingang der Hl. Michael wacht. Der Kontakt zur litauischen Heimat des Malers entstand durch Aktivitäten des Malteser Hilfsdienstes. So manches Paket mit Hilfsgütern wurde vor dem Transport im da­mals leerstehenden Krankenhaus gelagert. Unter dem genannten Wandgemälde befinden sich drei kleinere Statuen, die aus privaten Haushalten stammen: zum einen eine Marien- und eine Herz-Jesu-Figur wie sie in früheren Jahrzehnten in fast allen Börgeraner Häusern zu finden waren, und zum anderen der Hl. Franz von Assisi.

Der Hl. Franziskus wurde aus zwei Gründen ausgewählt: Seine Lebensgeschichte eignet sich in besonderer Weise zu Betrachtungen über das Verhältnis des Menschen zur Schöpfung als dem Leitmotiv der Kapelle. Zum anderen haben die sich auf ihn gründenden Ordensgemeinschaften für die Gemeinde im ausgehenden Jahrhundert eine große Bedeutung gehabt. Das ehemalige Krankenhaus ist ohne das Wirken der Franziskanerinnen aus Thuine nicht denkbar. Von der Gründung des St. Josef Krankenhauses im Jahre 1911, der Errichtung des Neubaues 1927 und der Erweiterung in den sechziger Jahren über die Schließung zum Jahresende 1974 hinaus  haben sich die „Thuiner Schwestern“ bis zur Auflösung der eigenständigen Sozialstation 1991 den Kranken in Börger gewidmet.

Altes und Neues hat in der Kapelle seinen Platz gefunden und bildet auch durch die Verbindung von bäuerlichen und kirchlichen Elementen eine ganz eigene Atmosphäre, die zur Betrachtung einlädt. Dabei wird zum Beispiel durch die Schnitzereien der Eingangstür der Blick auch über den engeren Rahmen der Heimat hinaus gelenkt. Die geschnitzten Tafeln wurden in der Diözese Hoima in Uganda gefertigt. Sie stellen auf der Außenseite afrikanische und europäische Bilder gegenüber. Auf der Innenseite finden sich Bilder, die symbolhaft die Lebensabschnitte mit dem Jahreskreis verbinden: Kinder im Frühling, Erwachsene im Sommer und alte Menschen im Herbst des Lebens.

Jeder ist eingeladen, sich auf seine persönliche Entdeckungsreise zu begeben und dabei rückwärts schauend nach vorne zu blicken, wie es in einem geflügelten Wort heißt. Die Kapelle ist tagsüber immer geöffnet und steht nicht nur den Senioren des St. Josef Stiftes, sondern allen in der Gemeinde offen.

Stand: 16. März 2011