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St. Josef Stift
GmbH Börger
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Demenzerkrankungen (übernommen aus einer Informationsschrift für Angehörige und Interessierte, herausgegeben vom Landkreis Emsland) Was bedeutet Demenz? Das Wort "Demenz" stammt aus dem Lateinischen und beinhaltet die Wortteile "de", was so viel heißt wie "weg, nicht mehr vorhanden" und "mens" für "Geist, Verstand". Es handelt sich bei Demenzen um erworbene (nicht angeborene) umfassende Hirnleistungsstörungen, die meist fortschreitend und nicht heilbar sind. Ursachen sind unterschiedlicher Art, deshalb spricht man auch nicht von der Demenz, sondern von unterschiedlichen Formen. Die häufigste Demenzform mit ca. 70% ist die Alzheimer-Krankheit, gefolgt von den vaskulären Formen (bei denen Gefäßveränderungen und Infarkte im Gehirn zu irreparablen Schädigungen geführt haben). Schädigend können sich z.B. auch Stoffwechselerkrankungen, Mangelernährung, Austrocknung (durch zu wenig trinken) und Medikamenten-Nebenwirkungen auswirken. Leitsymptom einer Demenz ist die Gedächtnisstörung. Die Fähigkeit, neue Informationen im Gedächtnis zu speichern, geht immer mehr verloren. Langzeitgedächtnis-Inhalte (d.h.: das, was ganz früher war), bleiben sehr lange erhalten und stellen eine wichtige Quelle für Gespräche und Beschäftigung dar. Störungen treten außerdem auf in den Bereichen: Sprache Die Sprache "verarmt" immer mehr und auch das Verständnis für Sprache nimmt ab. In späten Stadien spricht der Patient kaum noch oder verwendet nur noch einzelne Wörter (Mama, Amen, Hilfe) mit denen er versucht, seine Bedürfnisse auszudrücken. Orientierung Die Orientierung zu Zeit, Ort und Personen wird zunehmend unscharf. Erst fällt es vielleicht nur schwer, sich in einer fremden Umgebung zu orientieren. Nach und nach wird aber auch die vertraute Umgebung fremd, manche Patienten erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, wähnen sich in einer ganz anderen Zeit. Logisches und abstraktes Denken Das Denken verändert sich. Zum einen läuft es meist langsamer ab (so, dass der Betroffene für Reaktionen und Handlungen mehr Zeit braucht). Zum anderen geht auch die Intelligenz, das logische Schlussfolgern und das abstrakte Denken zurück. Das ist eine Ursache, warum Demenzkranke manchmal Witze und Ironie nicht mehr verstehen können. Urteilsvermögen Der Patient kann seine eigene Situation nicht immer realistisch beurteilen, er nimmt z.B., wenn er etwas verlegt hat an, man habe es ihm gestohlen, denkt evtl. auch, er brauche keine Hilfestellung und reagiert aggressiv auf Unterstützungsversuche. Wahrnehmung Es fällt den Patienten zunehmend schwer, dreidimensionale Räume wahrzunehmen. Auch das Farb- und Kontrastsehen kann sich verändern (das hat mit einer zentralen, im Gehirn entstandenen Sehstörung, nicht mit den Augen selbst zu tun). Einige Demenzpatienten entwickeln auch Illusionen und Halluzinationen, da sind Fehlwahrnehmungen, die für den Betroffenen Realitätscharakter haben (d.h. er sieht Menschen, die nicht vorhanden sind). Handlungspraxis Praktische Alltagshandlungen können nicht mehr ohne Anleitung vollzogen werden, wie etwa sich waschen, sich anziehen, Essen einnehmen. Oftmals hilft es bereits, Teilschritte dieser Handlungen anzustoßen, dann gelingt die Ausführung. Konzentration Nach kurzer Zeit vergisst der Kranke oft, was er gerade getan hat oder tun wollte. Er muss immer wieder daran erinnert werden. Persönlichkeit Die Persönlichkeit verändert sich meist dahingehend, dass vorhandene Persönlichkeitszüge sich verstärken (aus Sparsamkeit kann extremer Geiz bis hin zum Verarmungswahn werden, Misstrauen kann sich hin zum Verfolgungswahn steigern, cholerische Menschen werden aggressiv und aufbrausend). Manchmal kommen auch lange unterdrückte Wesenszüge zum Vorschein. Der Patient erscheint seinen Angehörigen völlig verändert. Gefühlswelt Die Gefühlswelt der demenzkranken Menschen bleibt noch sehr lange erhalten. Die Aussage "Der kriegt ja nichts mehr mit" trifft deswegen absolut nicht zu. Besonders wichtig sind die Körpersprache (ob ich mich herunterbeuge und mich auf die gleiche Höhe begebe, ob ich Augenkontakt suche), Berührungen und der Tonfall. Körperkontakt, vorsichtig und dosiert eingesetzt, kann ein "Königsweg" zu Kranken sein. Reaktionen auf die Krankheit und darauf, wie mit einem umgegangen wird, können sein: Wut, Aggressionen, Trauer, Scham, Unsicherheit, Unruhe, Verlorenheit, Angst, Panik, Ausgeliefertsein, Langeweile, Misstrauen, Anspannung, Rückzug, innere Leere, Ratlosigkeit, Einsamkeit, Depressivität, Antriebslosigkeit. Die Konsequenzen daraus: - erhöhtes Zuwendungsbedürfnis - sehr stark emotional gesteuerte Reaktionen - in der "eigenen" Realität verhaftet sein - Verhaltensauffälligkeiten - Orientierung an sozialen Normen geht verloren Die "gute" Betreuung berücksichtigt die Krankheitssymptome und die Reaktion des betroffenen Menschen darauf. Pflegende werden versuchen, dem demenzkranken Menschen ein weitgehend normales, befriedigendes und erfülltes Leben zu ermöglichen. Wichtig ist es, Ruhe, Zuversicht, Gelassenheit und Sicherheit auszustrahlen. Die Atmosphäre sollte geprägt sein von Akzeptanz und Toleranz sowie von Wärme und Zuwendung. Das sind die wichtigsten "Gütekriterien" für die Betreuung Demenzkranker. Was sind Kernelemente der Betreuung? Leitbild: Familiäres Miteinander, Zuhause Berücksichtigung der individuellen Lebensgeschichte Um eine möglichst individuelle, dem einzelnen Menschen und seinen Bedürfnissen angemessene Betreuung leisten zu können, ist es wichtig, möglichst viele Informationen über die für den alten Menschen bedeutsamen Anteile der Biographie zu sammeln. Besonders wichtig sind auch Erinnerungsgegenstände: Urkunden, Pokale, Handarbeiten, Fotos. Warme, akzeptierende Atmosphäre - Aktives Zuhören: sich selbst etwas zurücknehmen, Mittelpunkt des Gesprächs liegt beim Dementen, er gibt die Themen vor. - Begleitung: den Kranken nicht erziehen oder verändern wollen, sondern ihn in seiner Realität belassen und verstehend begleiten, seine "Symbolsprache" deuten (was will der Demente zum Ausdruck bringen, wenn er nach seiner Mutter fragt? Er sucht vielleicht nach Geborgenheit, Sicherheit und etwas Vertrautem). Lebendiges Miteinander - Einbeziehen in hauswirtschaftliche Tätigkeiten - soziale Kontakte ermöglichen - Angehörige und freiwillig Engagierte integrieren - Sinne anregen - Feste feiern/etwas Besonderes haben Orientierung an den Leitfragen - Wie würde der Bewohner/Gast zuhause sein Alltagsleben gestalten? - Was ist für ihn "normal", was ist für ihn "wichtig"? - Was waren Gewohnheiten, Vorlieben und Rituale? - Was sind wichtige Wünsche und Bedürfnisse? - Wodurch kann sich der alte Mensch noch "wichtig" machen, Erfolgserlebnisse verspüren? - Woran kann er sich freuen, was macht ihm Spaß? Anregungen Was kann ich als Angehöriger oder Ehrenamtlicher mit dem demenzkranken Menschen tun? Wichtigste Grundüberlegung muss sein: "Was könnte dem demenzkranken Menschen Spaß machen, was ist für ihn sinn- und lustvoll?" - Spaziergänge, möglichst regelmäßig (z.B. jeden Mittwoch). - Café- und Restaurantbesuche (hier gelingt Demenzkranken oft noch eine erstaunlich gute Anpassungsleistung). - Einfach dabeisitzen und zuhören, vor allem bei Erzählungen von früher (vorsichtig und möglichst offen formuliert nach Details fragen, um nicht mit Gedächtnislücken zu konfrontieren, Interesse zeigen). - Alte Fotos angucken, evtl. eine besondere "Erinnerungsmappe" erstellen. - Berühren, die Hand halten, in den Arm nehmen, schwer pflegebedürftige Menschen evtl. wiegen, streicheln, massieren (Handmassage eignet sich gut). Wenn es Ihnen gelingt, Ruhe und Zuversicht auszustrahlen, so überträgt sich das auch auf den alten Menschen. - Frühere Tätigkeit wieder aufnehmen (in vereinfachter Form oder mit Hilfestellung). Geduldig sein, nicht überfordern, nicht gleich aufgeben. - Gemeinsam singen oder Gesellschaftsspiele spielen. - Keine Gedächtnistrainings-Aufgaben durchführen: der Demenzpatient kann nicht mehr lernen! Sie zeigen dem Betroffenen nur seine Defizite und er wird traurig, beschämt oder aggressiv reagieren. Fragen Sie ihn auch nicht immer wieder nach Namen oder Daten, er kann diese Dinge meist nicht mehr behalten (auch nicht mit noch so viel Wollen und Üben). - Hier kann manchmal auch gelten: "Weniger ist mehr". Lieber regelmäßige Kurzbesuche als seltene 2-3 Stunden. Rat und Hilfe zum Thema Pflege: Beratungsagentur für Pflege; Ordeniederung 1, 49716 Meppen, Telefon: 05931/441240 (jeweils mittwochs), Fax: 05931/44391240 Anlaufstellen für weitere Informationen und Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe: Alzheimer-Hilfe, Postfach 70833, 60599 Frankfurt, www.alois.de Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V., Friedrichstraße 236, 10969 Berlin |
Stand: 16. März 2011 |